Zucht Die Zucht ist nicht so einfach wie die Haltung. Zuerst sollte man wissen was fuer Geschlechter man hat. Die Geschlechtsbestimmung bei Tiliqua rugosa ist nicht so einfach. Es gibt verschiedene Metoden der Geschlechtsbestimmung. Eine Methode ist das aeussere Erscheinungsbild. 1,0 hat meistens einen groesseren und breiteren Kopf. Das Becken ist schmaler und der Koerper ist im Querschnitt runder. 0,1 hat meistens einen kleineren und schmaleren Kopf. Das Becken ist breiter und der Koerper ist im Querschnitt eliptischer. Eine andere Methode ist die Testosteronbestimmung. Dabei wird Blut entnommen und dieses aufbereitet. Danach wird das Blutserum untersucht.( Ulrich Joger, Erich Wallikewitz und Andree Hauschild: Salamandra Band 22-Heft 1) Dann gibt es die Methode der Sondierung. Mit Hilfe einer Sondiernadel werden die Hemipenistaschen ausgemessen.( Hitz 1984) Leider fuehrt diese Methode zu Ungenauigkeiten, weil unter Umstaenden das Gewebe bei den 0,1 nachgeben kann und dann die selben Messwerte wie bei 1,0 vorhanden sind.( Hitz,R. 1984:Geschlechtsbestimmung bei Echsen der Gattung Tiliqua und Trachydosaurus mittels der Sondenmethode (Sauria: Scincidae).-Salamandra,Bonn, 20(1):39-42. Und dann haben wir noch die Endoskopie. Es wird ein kleiner Schnitt durch die Bauchwand geschnitten so daß der Endoskopkopf durch die Oeffnung passt. Nun wird mittels des Endoskops nach vorhandenen Eierstoecken gesucht. Diesen Eingriff verkraften die Tiere ganz gut. Diese Methode wird auch bei Papageien praktiziert.(Schildger,B.-J.&R.Wicker(1987): Endoskopische Gesclechtsbestimmung bei Trachydosaurus rugosus (Gray,1827).-Salamandra,Bonn,23(2/3): 97-105.) . Hat mann nun ein Paar ist es noch lange kein "Paar" . Tannenzapfenechsen sind ausgesprochen waehlerisch mit ihren Partnern.1985 erstanden wir unsere ersten zwei Tannenzapfenechsen ( Tiliqua rugosa rugosa ) im Alter von etwa zwei Jahren. Es handelte sich hierbei, wie sich spaeter herausstellte, um weibliche Tiere. Beides waren Jungtiere eines traechtig importierten Tieres. Zum damaligen Zeitpunkt gab es ausschließlich Wildfaenge oder von traechtig importierten Weibchen abgesetzte Jungtiere. Im Jahr darauf erwarben wir fuenf weitere adulte Tiere, sodaß wir eine relativ große Gruppe hatten. Unser Ziel war es, aus dem Gruppenverhalten heraus die Geschlechter sowie eventuelle Bindungen untereinander festzustellen. Selbstverstaendlich wollten wir versuchen, diese interessanten Reptilien nachzuziehen. Besonders ein aelteres Tier stellte sich aeußerst dominant in der Gruppe dar. Es handelt sich um ein fast weißes Maennchen (M1), Alter unbekannt, das sich immer ganz dicht zu einem unserer ersterworbenen Weibchen (W1) legte und ihm gegenueber nie Aggressionen zeigte. Die Tiere wurden entsprechend paarweise untergebracht. Wir knuepften die ersten Kontakte zu Herrn Dr.Hitz-Trepp, der zu diesem Zeitpunkt mit der oestlichen Tannenzapfenechse ( Tiliqua rugosa asper ) bereits Nachzuchterfolge vor- weisen konnte. Laut seiner Auskunft sollte der Jahreszeitenrhythmus dem Herkunftsland Ausstralien angepasst werden. Wir setzten ab 1987 jedes Jahr die Echsen ab Juli, nachdem sie sich komplett entleert hatten, in ein im Kellerraum untergebrachtes Holzterrarium mit Gaze als Vorderwand, sodaß eine gute Durchlueftung stattfinden konnte. Der Bodengrund bestand aus Zeitungspapier sowie etwas Sand und die Einrichtung aus einem großen Korkrindenstueck; eine mit Wasser gefuellte Trinkschale war ebenfalls vorhanden. Der Kellerraum wurde mit einer Klimaanlage versehen, mit der wir die Raumtemperatur innerhalb von zwei Wochen auf ca. 14 °C herunterkuehlten. Nach diesen zwei Wochen wurde die Beleuchtung komplett ausgeschaltet. Die Terrarien wurden taeglich leicht besprueht und die Tiere auf ihren Zustand kontrolliert. Etwa vier Wochen spaeter ließen wir die Temperaturen sowie die Beleuchtungsdauer wieder langsam, ebenfalls in einem Zeitraum von zwei Wochen, ansteigen, sodaß wir die Tiere nach ingesamt zwei Monaten wieder in ihr Zimmerterrarium 120x60x60cm ( LBH ), als Bodengrund Sand sowie feinkoerniger Kies, Einrichtung wieder eine Korkrinde sowie aus hygienischen Gruenden eine Plastikpflanze, ueberfuehren konnten. Die Paare untereinander auszutauschen gestaltete sich als nicht ratsam, da sie auf andere Partner entweder aggressiv oder voellig desinteressiert reagierten. Anfang 1988 begann W 1 einen enormen, von ihm nicht gewohnten Appetit zu entwickeln. Es nahm jedoch kaum sichtbar zu. Am 27. Maerz waren W1 und M1 den ganzen Vormittag ueber nicht zu sehen, sodaß wir uns entschlossen,unter der Korkrinde nachzusehen, wobei wir zu unserer großen Freude ein Jungtier fanden. W1 war nun stark abgemagert,zeigte aber schon am naechsten Tag wieder großen Appetit. Das Jungtier wurde vorsichtshalber einzeln untergebracht.
Jungtier mit Weibchen (Mutter) 1988 Anfang 1990 wiederholte sich das Verhalten von W1, nur diesesmal vergroeßerte sich ab Mitte Maerz sein Bauchumfangenorm, wobei es nur noch sehr wenig Nahrung zu sich nahm. Ende Maerz war es an den Flanken vor dem Beckensehr stark eingefallen und verweigerte nun jegliche Nahrungsaufnahme. Eine Woche spaeter entschlossen wir uns,Oxytocin zu spritzen, wonach sich leichte Kontraktionen erkennen ließen. Da es zu keiner Geburtseinleitung kamm, nahmen wir Kontakt zu Herrn Rudolf Wicker auf. Es wurde dann kurzfristig durch Dr.Schildger am 10. April ein Kaiserschnitt durchgefuehrt. Dabei wurden zwei gesunde Jungtiere auf dieWelt geholt. Die Jungtiere konnten wir kurze Zeit spaeter abholen und brachten sie in ein eigenes Terrarium.W1 war in einem sehr schlechten Zustand und wurde von Herrn Rudolf Wicker noch etwa 14 Tage bis zur Rekonvaleszenz betreut. Danach brachten wir es wieder mit M1 zusammen.
Jungtiere 1990 Anfang 1992 war das Verhalten von W1 wie zwei Jahre zuvor, jedoch brachte es diesesmal ohne Komplikationen am 28. Maerz zwei gesunde Jungtiere zur Welt. Eine unserer adulten Tannenzapfenechsen bekam auf Grund der Aufnahme von feinkoernigem Kies eine Verstopfung und mußte operiert werden. Dieses Tier hatte die Operation gut ueberstanden und befand sich in einem guten Allgemeinzustand, denoch verstarb es noch waehrend der Winterruhe am 16. September 1992 an einer Darmpilzinfektion.Auf Grund dieses Vorfalles wurden die Tannenzapfenechsen nicht mehr nach dem australischen Rhythmus gehalten,sondern verblieben in ihrem Zimmerterrarium. In der Zwischenzeit verkleinerten wir auch nach und nach den Bestand unserer adulten Tiere. Im Maerz 1999 wurden W1 und M1 zusammen mit Kragenechsen in ein 3,5 Quatratmeter großes Terrarium, maximale Hoehe 215cm, untergebracht. Die Einrichtung besteht aus kuenstlichen sowie natuerlichen Felsen, Aesten, Baumstaemmen, Rindenstuecken sowie einigen Pflanzen und Rankenteilen. Der Bodengrund besteht aus Sand. Es stehen den Tieren ferner mehrere Lichtstrahler, ein UV-Strahler, der taeglich fuer eine halbe Stunde in Betrieb ist, sowie zwei je 0,5 Quatratmeter große Bodenheizmatten zur Verfuegung. Das Platzangebot wurde somit enorm vergroeßert und die Umgebung moeglichst naturgetreu gestaltet. Diese Terrarium befindet sich in einem nicht waermegedaemmten Dachgeschoss. Somit ist davon auszugehen, daß die Außentemperatur eine sehr große Rolle spielen, und es durchaus denkbar waere, daß von den Tieren unsere europaeischen Witterungsverhaeltnisse wahrgenommen werden. Die Mitteltemperatur im Sommer liegt bei 32°C, im Winter bei 20°C. W1 nahm Anfang August beachtlich an Leibesumfang zu, waehrend es die Nahrungsaufnahme komplett verweigerte, dafuer erhoehte sich sein Trinkbeduerfnis erheblich. Es hielt sich tagsueber ueberwiegend in der Naehe der Heizmatten auf. Am 22. August 1999 wurden im Verlauf des Vormittags zwei Jungtiere geboren, die im Terrarium bei den Eltern belassen wurden. Die Jungtiere hielten sich in den ersten Wochen immer in der Naehe beider Elternteile auf und wurden von diesen auch vehement gegen Eindringlinge verteidigt. Die Kopf-Rumpflaenge betrug am Geburtstag bei den Jungtieren etwa 17 bis 19cm und ihre Masse lag bei etwa 80 bis 90 g. Die erste Nahrungsaufnahme erfolgte wenige Stunden nach der Geburt. Die Nahrung entspricht der der adulten Tiere. Das Futter besteht ueberwiegend aus vegetarischer Nahrung, wobei besonders gern geriebene Karotten, Zucchinioder Loewenzahnblaetter genommen werden. Im Fruehjahr werden fast ausschließlich Loewenzahnblueten gfuettert.Rund 20% des Nahrungsangebotes besteht aus Argentinischen Waldschaben, Steppenheuschrecken und Babymäuse. An Zusaetzen werden Korvimin ZVT, pulverisierte oder kleine Stuecke Sepia sowie Multi Mulsin angeboten. Diese werden jedoch nicht immer angenommen, und wir lassen den Tieren die freie Wahl.Trotz des geringen Trinkbedarfes steht immer Wasser zur Verfuegung.
Jungtiere mit Eltern 1999
Jungtier von 2003
Nach der Winterruhe (2003-2004) hat mein Weibchen im Mai sehr stark an Leibesumfang zugenommen. Leider war nichts mit einer NZ. Das Weibchen hat sich nur über mehrere Tage richtig schmecken lassen und dabei einen richtigen Bauch angefressen. |